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Des Teufels dunkler Schatten

Es gibt Geschichten, die sind einfach zu schön, um als Legende verworfen zu werden. Die von Luther und dem Tintenfleck an der Wand der Stube ist so eine. Weil ihm während seiner Schreibarbeit der Teufel höchstpersönlich erschien, soll Luther mit dem Tintenfass nach ihm geworfen haben. Und hinterließ dabei einen Fleck an der Wand.

Beachtet wurde der mystische Tintenfleck allerdings erstmalig erst im 17. Jahrhundert. Hat der Reformator nicht selbst bekundet, er habe mit Tinte gegen den Teufel gekämpft? Ob diese wörtliche Auslegung die ganze Wahrheit spiegelt, könnte nur Luther allein verraten. Möglich, dass es ein schlichter Rußfleck war, der diese Legende gebar. In der Kammer brannte zu Luthers Zeit ein Kamin, das wäre eine Erklärung.

Luther-Verehrer sahen das anders! Sie kamen in Scharen in die Lutherstube und schabten sich die vermeintlichen Überreste des lutherischen Teufels-Kampfes von der Wand. Ähnlich erging es auch dem originären Schreibtisch. Buchstäblich Span für Span trugen ihn die Besucher nach Hause. Der Tisch war irgendwann verschwunden, der Fleck bis ins 19. Jahrhundert hinein ständig erneuert. Heute sieht der Besucher: NICHTS. Vielleicht könnte man den Fleck ja wieder anbringen. Aber nicht mit Tinte, sondern neuzeitlich: als Projektion an der Wand. Denn alle fragen ja schließlich nach dem Fleck!

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