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Die Erleuchtung des Martin Luther und die 95 Thesen

 Als unerwartete Erleuchtung beschreibt der international bekannte Reformator den Wendepunkt, an dem er das Prinzip der Gerechtigkeit Gottes: "sola gratia" erkannt und formuliert hat. Der Überlieferung nach soll dies in seinem Arbeitszimmer im Südturm des Wittenberger Augustinerklosters der Fall gewesen sein. Martin Luther spürte eine große Befreiung, als er das jahrelang Gesuchte in folgendem Bibelvers fand:

"Denn darin wird offenbart die Gerechtigkeit, die vor Gott gilt, welche aus dem Glauben kommt und zum Glauben führt; wie geschrieben steht (Hab 2,4 LUT): Der Gerechte wird aus dem Glauben leben."

Diese Zeilen sollten es sein, die zu seinem grundlegend neuen Schriftverständnis führten. Fortan galt für ihn der Grundsatz, dass die Gerechtigkeit Gottes ein reines Gnadengeschenk sei, welches den Menschen nur durch den Glauben an Jesus Christus zuteil wird. An diesem Wendepunkt zerbrach Luthers Verständnis für die bisherige mittelalterlich-theologische Balance zwischen menschlichen Fähigkeiten und göttlicher Offenbarung (Synergismus). Die katholische Kirche, welche sich bis dato als Vermittlungsanstalt der Gnade Gottes an den Menschen sah, betrachtete Luther seit diesem Ereignis zunehmend kritisch. Bereits 1515 lag in der Römerbrief-Vorlesung Luthers neues Verständnis ausformuliert vor.

In den folgenden Jahren festigte sich Luthers Auffassung und er formulierte das neue Verständnis weiter aus. Intensiv beschäftigte er sich auch mit der Ablasspraxis der römisch-katholischen Kirche. Vor allem der Ablassprediger Johann Tetzel, welcher vom Mainzer Erzbischof Albrecht ausgesandt wurde, weckte die Aufmerksamkeit Luthers. Da der bekannte Werbespruch:

"Wenn das Geld im Kasten klingt, die Seele aus dem Feuer springt."

in keiner Weise mit Luthers Ansichten korrelierte, entschloss er sich letztendlich, dagegen vorzugehen. Bereits am 4. September 1517 verfasste er die ersten 97 Thesen und verbreitete diese unter seinen Mitdozenten mit dem Ziel einen offenen Disput anzuregen. Bestärkt von der Richtigkeit seines Handelns setzte er im Oktober des gleichen Jahres die berühmten 95 Thesen, in welchen er direkten Bezug auf den Ablass nahm und schickte sie direkt an den Erzbischof nach Mainz. Auf dem Höhepunkt der Diskussionen rund um den Ablass unter den Theologiegelehrten seiner Zeit, schlug er schließlich diese Thesen am 31. Oktober 1517, dem heutigen Reformationstag, an die Tür des Hauptportals der Schlosskirche zu Wittenberg.

Der unglaublich große Nachhall und die Fürsprache der Öffentlichkeit für die Veröffentlichungen Luthers lösten schließlich die Reformation der Kirche aus. Auch wenn Luther selber weniger die Finanzpraktiken der Kirche, sondern eher die verkehrte Bußgesinnung in den Ablasspraktiken kritisierte, so lösten diese Zeilen doch eine grundlegende Reform der Kirche "an Haupt und Gliedern" aus. Den Papst selber, als Vertreter Gottes auf der Erde, griff Luther zu diesem Zeitpunkt noch nicht an. Aber er sah ihn in seiner Funktion bezüglich des Sündennachlasses schon damals nur als Fürbitter der Gläubigen. Da die Thesen von 1517 nur dem gelehrten Fachpublikum verständlich waren, verfasst Luther im darauf folgenden Jahr den "Sermon von dem Ablass und Gnade" für die breite Bevölkerung.

Es dauerte nicht lange, da ergriffen die Gegner Luthers die ersten Maßnahmen, um seinen Thesen entgegen zu wirken: Der ehemalige Erzbischof Albrecht von Mainz (mittlerweile zum Kardinal ernannt) zeigte Luther in Rom an. Tetzel veröffentlichte Gegenthesen. Bereits im April 1518 wurde Martin Luther nach Heidelberg entsandt, um auf der Heidelberger Disputation seine neuartige Theologie zu erläutern. Er gewann hier einige Anhänger, welche später selber zu überzeugten Reformatoren wurden. Im August des gleiche Jahres berief die Wittenberger Universität einen Mann, der später Luthers engster Freund und eifrigster Schüler werden sollte: Philipp Melanchthon.

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Die Steine waren ins Rollen geraten. Lesen Sie hier weiter und verfolgen Sie den Werdegang des noch jungen reformatorischen Gedankens...

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