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Luther 2017 - 500 Jahre Reformation

Dank Gutenbergs Erfindung verteilten sich Luthers 95 Thesen "wie von Engelsflügeln getragen" in ganz Deutschland. Das kirchliche Establishment in Rom reagierte darauf  "als sei der Himmel eingestürzt". Heute verbinden über 400 Millionen Protestanten weltweit ihre geistig-religiöse Existenz mit dem reformatorischen Geschehen.

Luther hat als der erste unsrer Zeit das Unkraut auf Christi Acker nicht bloß gesehen, sondern zugleich auch gewagt, mit tüchtiger Hand alles schädliche zu jäten. (Eobanus Hessus, 1521)

 

Seit der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts stand die Kirche unter starker Kritik. Theologische Aspekte, vor allem aber die Anmaßung weltlicher Herrschaft und das äußere Erscheinungsbild der Kirche, stießen auf wachsenden Widerspruch. "Dunkelmännerbriefe" wachsender Opposition und andere Protestpapiere wurden in bis dahin nicht gekannter Weise publik, was der Erfindung des Druckes mit beweglichen Lettern durch Johannes Gutenberg um 1450 zu verdanken war. erst so konnten Flugschriften zu Kurznachrichten des Mittelalters werden. Erfurt, wo Luther studierte und Mönch wurde, nahm dabei von Anbeginn eine bedeutende Rolle ein. Die Werkstätten hatten sich in der Nähe der Universität etabliert. Man darf sicher sein: Ohne die Erfindung Gutenbergs hätten die in Wort und Bild gefassten Gedanken Luthers und seiner Verbündeten nicht die schnelle, manchmal tagesaktuelle Verbreitung gefunden.

Ganz oben auf der Agenda der Unzufriedenheit stand der Ablasshandel. Ausgehend vom Christus-Wort, dass Petrus auf Erden und im Himmel "binden und lösen" dürfe, lehrte die Kirche, dass der Papst den Gläubigen einen Teil der Strafen erlassen könne, die sie im Fegefeuer für ihre Sünden abzubüßen haben. Voraussetzung dafür sei eine "tätige Reue", wie z.B. finanzieller Freikauf, der im Spätmittelalter hemmungslos kommerzialisiert wurde. Für Martin Luther war dieses Geschäft nicht länger hinnehmbar. An der Universität suchte der das Gespräch, wonach der Mensch allein über den Glauben an Gott und die Liebe zu ihm sein Seelenheil finden werden. 95 von ihm in diesem Geist formulierte Thesen hatte er als Positionspapier für eine Diskussion an seiner Uni verfasst. Ob nun per "medienträchtigem"  Anschlag an die Wittenberger Kirchentür am 31. Oktober 1517 oder auf anderem Wege: Sie wurden öffentlich noch bevor sie Gegenstand einer gelehrten inhaltlichen Auseinandersetzung gewesen sind. "Wie von Engelsflügeln" getragen verbreiteten sie sich innerhalb von nur zwei Wochen in ganz Deutschland.

Ein Exemplar gelangte natürlich nach Rom. Dort hatte man die Sprengkraft darin sofort erkannt und nach Luthers Worten darauf reagiert "als sei der Himmel eingestürzt, der Erdkreis gebrandschatzt. Man schickt mir eine Vorladung nach Rom und mächtig erhebt sich das Papsttum gegen mich allein!". Doch der 33jährige Luther blieb standhaft, wiederrief trotz aller Androhungen nicht. Und er blieb nicht allein. Die Reformation war in Bewegung gekommen.

Wie in jedem Umbruch lag auch in diesem von Anfang an ein Keim von Schwärmerei und Radikalismus. Manche sahen die Chance gekommen, alte Rechnungen zu begleichen. Anderen gingen die Veränderungen nicht schnell und tief genug - Thomas Müntzer und Andreas Karlstadt stehen namentlich dafür. Glaubend, im Namen Gottes Recht zu tun, verließen schließlich Abertausende den von Luther gewiesenen Weg konsequenter, friedlicher Umgestaltung. Am süddeutschen Horizont zogen Wolken militärischer Auseinandersetzung auf, die als Deutscher Bauernkrieg Geschichte wurden. Predigend suchte Luther Einfluss zu nehmen. Gehör fand er kaum noch. Brennpunkte der Erhebungen in Thüringen befanden sich in den Gebieten von Eisenach, Arnstadt, Erfurt, Langensalza, Nordhausen und Jena. Aber auch im Eichsfeld und dem Vogtland gingen Klöster und Schlösser in Flammen auf.

Wie ich die Kirche zurück lasse, sieht sie nicht trüb und traurig aus, sondern sie blüht empor, wächst von Tag zu Tag unter der Hand trefflicher, lauterer Hirten.

(Martin Luther 3 Jahre vor seinem Tod)

Ihr blutvolles Ende fanden die Auseinandersetzungen im thüringischen Frankenhausen. Auf dem Schlachtberg, wo seit Jahrzehnten ein begeisterndes Monumentalgemälde an die damaligen Vorgänge erinnert, standen etwa 6.000 kämpfende Bauern einer Überzahl besser ausgerüsteter Soldaten der Fürsten und Herzöge chancenlos gegenüber. Nach der Niederlage der Bauern und der Hinrichtung ihres Anführers Thomas Müntzer in Mühlhausen, sah sich Luther bei Freund und Feind heftiger Kritik ausgesetzt. Angenommen hat er diese nicht.

Das Werk der Reformation hatte vielerorts schon unumkehrbaren Einzug gehalten: Evangelisch gesinnte Prediger hielten den Gottesdienst in deutscher Sprache. Messen nach altkirchlicher Ordnung wurden eingestellt, Klosteraustritte häuften sich, Priesterehen wurden geschlossen und kirchliche Grundstücksfragen neu geregelt.

Mit dem unter Luthers Mitwirkung geschlossenen Schmalkaldischen Bund hatten sich die evangelischen Reichsstände 1531 ein Organ geschaffen, das sich als friedliche Gegenwehr zu dem von Kaiser Karl V. und den katholischen Reichsständen ausgehenden politischen Druck auf die Protestanten verstand. Es blieb nicht friedlich. Mit der Schlacht bei Mühlberg Elbe 1547 und der Niederlage der Ernestiner war die Reformation erneut gefährdet. Erst der auf dem Reichstag in Augsburg 1555 verkündete "Religionsfrieden" stellte die Protestanten gleichberechtigt und auf Dauer neben die katholischen Stände.

Martin Luther hat dies nicht mehr erlebt. Heute verbindet über 400 Millionen Protestanten ihre geistig-religiöse Existenz mit dem reformatorischen Geschehen. Das Jubiläum 500 Jahre Reformation ist ein ganz besonderer Anlass, in Thüringen auf eine spannende reformatorische Spurensuche zu gehen.

 

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