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Martin Luther und die Bibel

Zum Ausharren auf der Wartburg verdammt, wurde Luther die Zeit schnell zu lang und der Frust machte sich in seinem Gemüt breit. So zur Untätigkeit gezwungen suchte er nach einer Aufgabe, ... und fand sie:

Philipp Melanchton schlug ihm im Herbst 1521 vor, er möge sich doch daran machen, das Neue Testament ins Deutsche zu übersetzen. Und so geschah es schließlich auch. Nach nur elf Wochen und ausschließlich mit Hilfe einer griechischen Bibel von Erasmus von Rotterdam, dessen lateinischer Übersetzung, der Vulgata und ein paar Wörterbüchern vollbrachte Martin Luther das, was ihn seit dem und wahrscheinlich für alle Zeiten unvergesslich mit der Reformation in Verbindung hält: Im September 1522 erschien das "Septembertestament". Es verbreitete sich wie ein Lauffeuer. Nur wenige Jahre später  gab es über 20 autorisierte Auflagen und 110 Nachdrucke von Luthers Schrift.

Schon ein Jahr nach der Fertigstellung des Neuen Testaments folgte die erste Teilübersetzung des Alten Testaments, welches Luther mit der Hilfe seiner Professoren-Kollegen bis 1534 komplett ins Deutsche brachte.

Heute kennen wir die Kombination aus den beiden großen Hauptteilen der übersetzten Heiligen Schrift einschließlich der Apokryphen als die Lutherbibel.

Luther war damit der Erste, der dem einfachen Volk die biblischen Texte direkt zugänglich machte. Anders als in den bis dato schon vorhandenen hochdeutschen Übersetzungen bemühte er sich bei seiner Arbeit "gestelztes" Deutsch zu vermeiden und statt dessen "dem Volk aufs Maul zu schauen". Er übersetzte weniger wörtlich, und  versuchte, biblische Aussagen nach ihrem Wortsinn ins Deutsche zu übertragen. Er legte jedoch dabei die Bibel nicht neu aus, sondern interpretierte die Textpassagen nach seiner Auffassung von dem, „was Christum treibet" – Gottes Gnade in Christus.

Seine Sprache war kräftig, bildreich, volkstümlich und vor allem allgemein verständlich. Viele heute noch gebräuchliche Redewendungen gehen auf ihn zurück. So ersann er Wortgebilde wie "Perlen vor die Säue werfen“, „ein Buch mit sieben Siegeln“, „die Zähne zusammenbeißen“, „etwas ausposaunen“, „im Dunkeln tappen“, „ein Herz und eine Seele“, „auf Sand bauen“, „Wolf im Schafspelz“ und „der große Unbekannte“.

So entstand aus Luthers ostmitteldeutscher Muttersprache im Laufe der Jahrhunderte unser heutiges Hochdeutsch. Bis heute ist die Lutherbibel (auch wenn in revisionierter Auflage) in vielen evangelischen Gemeinden die Grundlage von Gottesdiensten und Kirchenmusik.

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