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Thomas Müntzer. Luthers ungeliebter Bruder

Was wir über Thomas Müntzer wissen, hängt meist davon ab, wann und wo wir zur Schule gingen: Im Osten wurde der Bauernkriegsführer als früher Kämpfer für eine gerechte Welt gefeiert, im Westen sah man seine Radikalität kritisch. Und heute? Viel Raum bekommt Müntzer im Unterricht weiterhin nicht. Schade, denn der Mann gehört zu den interessantesten Persönlichkeiten der Reformation in Thüringen ...

Der große Unbekannte

Thomas Müntzer - ist das nicht der hässliche Typ mit der großen Nase, der gefurchten Stirn, den hervortretenden Augen und den herabgezogenen Mundwinkeln? Das ist das Bild, das wir von ihm haben. Dabei kann gar niemand wissen, wie der Mann aussah. Es gibt kein zeitgenössisches Porträt des radikalen Reformers - stattdessen einen Kupferstich aus dem 17. Jahrhundert, in dem Müntzer als Ketzer dargestellt werden sollte. Spätere Bildnisse machten aus dem Reformator gar einen debilen, zurückgebliebenen Menschen, der mit gichtigen Fingern die Bibel umklammert. Im Hintergrund verdüstert sich schon der Himmel.

Vor der Stadtmauer in Mühlhausen steht ein anderer Thomas Müntzer: ein aufrechter, ernst blickender Mann mit Schwert und Bibel. Was wissen wir über diesen Prediger und Revoluzzer, der nur 36 Jahre alt wurde? Vieles liegt im Dunkeln: Thomas Müntzer wurde 1488/89 in Stolberg im Harz geboren - er ist also fünf oder sechs Jahre jünger als Martin Luther. Er studiert in Leipzig und Frankfurt und erreicht den ersten theologischen Grad eines Baccalaureus biblicus. 1513 wird Müntzer Priester. Später hält er sich in Wittenberg auf, kommt mit den Ideen Luthers und des Humanismus in Berührung. Weitere Lebensstationen sind u.a. Jüterborg, Zwickau und Allstedt, wo er am 13. Juli 1524 vor der ernestinischen Obrigkeit seine berühmte Fürstenpredigt hält. Die sozialen Misstsände prangert er so scharf an, dass er, wie zuvor in Zwickau, seine Stellung verliert. Müntzer flieht nach Mühlhausen, wird ausgewiesen, kehrt aber 1525 zurück und wird Pfarrer an der Marienkirche, die heute Gedenkstätte ist. Der Theologe kämpft auf der Seite der Bauern und verliert. Die Schlacht am 25. Mai 1525 bei Bad Fankenhausen endet in einem Blutbad für die Aufständischen. Etwa 6.000 Menschen sterben. Müntzer wird gefangen genommen, gefoltert und gehängt. Er hinterlässt eine schwangere Frau und einen etwa einjährigen Sohn.

Tipp: Erfahren Sie mehr über Luthers ungeliebten Bruder bei der öffentlichen Altstadtführung "Thomas Müntzer und die Reformation" in Mühlhausen; Termine: 18., 20.21.05. 2017, jeweils 11 Uhr
 

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